Sonntag, 8. juni 2008
Der "Mammutflüsterer" ist mit seinen wilden Kerlen von der Jagd zurück gekehrt. Eigentlich wollten sie ein Eichhörnchen einkesseln, doch stattdessen ist ihnen ein Säbelzahntiger in ihre Fallgrube gepurzelt. Die Männer erlegten das Tier, vergewisserten sich aber vorher, ob ihnen kein Rudel Eichhörnchen in den Hinterhalt gefolgt sei.

Zuhause mampften sie verkohlte Säbelzahntigertazen an einer Blaubeersauce mit Johanniskräutern. Die Sippe sass in der grauen Höhle am Feuerplatz und zerteilte die von den Männern erlegten Säbelzahntiger in ein paar leckere mundgerechte Happen:

"Her mit der Tigertatze!"

Brüllte "grosser Felsen". Und er schnappte sich noch eine weitere Tatze und zermalmte sie mit seinen Hauern. Es klopfte dezent an der Höhle.

"Herein!" brüllte "grosser Felsen". Da stand er in seinen Sandalen, der Mammutflüsterer, sein treuer Diener und bester Freund. Mammutflüsterer ist ein attraktiver nach Tannenbaumharz duftender junger Mann. Er trägt einen glänzenden Kalbsledergürtel, worauf er seinen Talisman, ein Eichhörnchenzahn angenäht hatte. Das Eichhörnchen hatten sie mal vor vielen, vielen Monden mit zwanzig der mutigsten, tapfersten und kräftigsten Kriegern erlegt.

der Mammutflüsterer strich sich durch sein filziges Haar und bat um seine Audienz. "Komm rein!" Brüllte der Sippenchef. Mammutflüsterer torkelte in die Höhle und flüsterte hastig und aufgeregt. Er erzählte von einer Sichtung von irgendwelchen Wesen die er zuvor noch nie gesehen hatte. Der Mammutflüsterer warf sich aufgedreht zu Boden und schrie seine Erzählung in die Runde:

"Sie sprachen eine wildfremde Sprache!! Und und sie kamen aus einem schimmernden, fliegenden Felsen ohne Flügel! Sie trugen komische Felle, die gar keine Felle waren, sondern ganz flach und eben und sie hatten Holz dabei, welches Feuer spuckt. Das ist noch nicht alles! Der fliegende Felsen machte einen ohrenbetäubenden Lärm!"

Der Mammutflüsterer war von seiner Erzählung ganz erschöpft und verschnaufte einen Augenblick. "Grosser Felsen" kratzte sich gekonnt an seinem Bart und überlegte bevor er ihn fragte, ob er wiedermal Pfeifengras-Schnaps soff und deshalb solche Gespinste erzähle....

Doch Mammutflüsterer ereiferte sich und beteuerte, wie vermutet, stockehageldicht zu sein, doch diese Wesen wirklich gesehen zu haben.

Dem Sippenchef war es nicht wohl dabei. Er glaubte dem Mammutflüsterer sehr wohl. Denn er wusste, dass er schon ein paar mal, als er stockhageldicht war, die Wahrheit sagte. Auch damals, als er die grünen Ziegen hütete, rannte er an einem schönen Nachmittag auf den Dorfplatz und schrie:

"Die Eichhörnchen kommen,
die Eichhörnchen kommen!!"


Er sagte damals schon die Wahrheit. Also, zumindenst nach den ersten drei Fehlalarmen. Doch wie gesagt, Mammutflüsterer war ein guter Kerl. Seine Beobachtungsgabe war immens. Er vermochte die Gedanken der Tiere zu lesen.

Nicht selten wurde er um Rat gefragt, wenn manchmal ein Haus-Mammut nicht spurte. Für ein paar klingende Bronzendukaten und einen Kornschnaps konnte man ihn als Mammutflüsterer anheuern. Seine Technik war bestechend und zugleich auch brilliant.

Er leerte jeweils den Kornschnaps, torkelte ziellos um das Mammut und lallte ein paar Beschwörungsformeln. Die Leute jubelten und lobpreisten ihn in Sprechchören.

Der Mammutflüsterer schnaubte freundlich und fragte:

"Was ist jetzt mit diesen Wesen?"

Weiter zu Teil 3

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